Git aufräumen: weniger Ballast, mehr Überblick
Git-Repositories werden selten absichtlich chaotisch. Sie werden es schleichend. Ein schneller Fix hier, ein Test-Branch dort, ein Hotfix am Freitagabend, und plötzlich weiß niemand mehr, welcher Branch eigentlich relevant ist. Git funktioniert technisch weiterhin, aber mental ist das Projekt schwer geworden.
Git aufzuräumen bedeutet nicht, alles neu zu strukturieren oder Regeln zu erfinden. Es geht darum, Ballast zu entfernen, Klarheit zurückzubringen und das Repository wieder so zu lesen, dass man versteht, was passiert ist und warum.
Wo Git-Projekte typischerweise entgleisen
Das häufigste Problem sind liegengebliebene Branches. Feature-Branches, die nie gemerged wurden. Test-Branches, die niemand mehr anfasst. Alte Experimente, die technisch noch da sind, aber fachlich längst erledigt. Sie erzeugen Unsicherheit, weil niemand weiß, ob sie noch relevant sind.
Ein zweiter Klassiker sind unklare Commit-Historien. Viele kleine Commits ohne Aussage, kryptische Messages oder Sammel-Commits mit zehn Änderungen auf einmal. Git speichert alles korrekt, aber als Dokumentation taugt die History dann kaum noch.
- Veraltete Branches ohne Besitzer
- Unlesbare Commit-Nachrichten
- Unklare Merge-Strategien
- Keine sichtbare Hauptlinie
Ein aufgeräumtes Repository ist kein Luxus
Ordnung in Git spart nicht nur Zeit, sondern verhindert Fehler. Wer versteht, was im Repository passiert, traut sich eher Änderungen zu. Wer Angst vor Nebenwirkungen hat, fasst Dinge entweder gar nicht mehr an oder macht hektische Schnellschüsse.
Ein aufgeräumtes Repository hat eine erkennbare Hauptlinie, wenige aktive Branches und eine History, die zumindest grob erzählt, wie sich das Projekt entwickelt hat. Es muss nicht perfekt sein, aber es muss lesbar bleiben.
Besonders in Teams ist das entscheidend. Neue Entwickler orientieren sich zuerst an der Git-Struktur. Wenn sie dort Chaos sehen, wirkt das Projekt sofort instabil – unabhängig von der tatsächlichen Qualität.
Pragmatische Schritte zum Aufräumen
1) Alte Branches konsequent entfernen
Alles, was gemerged ist oder fachlich erledigt wurde, kann weg. Branches sind kein Archiv. Wenn etwas wichtig ist, gehört es in die History oder in die Dokumentation, nicht als toter Ast im Repository.
2) Commit-Nachrichten ernst nehmen
Commit-Messages müssen keine Romane sein, aber sie sollten sagen, was geändert wurde und warum. Wer das sauber macht, erspart sich später viel Sucharbeit – besonders bei Bugs oder Regressionen.
3) Weniger parallele Baustellen
Viele aktive Branches gleichzeitig bedeuten viele offene Zustände. Besser ist, Dinge nacheinander sauber abzuschließen, statt alles parallel halb fertig liegen zu lassen.
4) Regelmäßige kleine Aufräumroutinen
Git aufzuräumen ist kein einmaliges Projekt. Ein kurzer Blick alle paar Wochen reicht oft aus, um das Repository übersichtlich zu halten.
Warum das langfristig Workflows beruhigt
Sauberes Git reduziert mentale Last. Entscheidungen fallen leichter, Reviews werden klarer, Deploys entspannter. Niemand muss rätseln, ob ein Branch noch lebt oder ob eine Änderung irgendwo anders ungewollte Folgen hat.
Genau hier greift Git-Aufräumen direkt in den Workflow ein. Es geht nicht um Kontrolle oder Regeln, sondern um Übersicht. Wer sein Repository versteht, arbeitet ruhiger – und meistens auch schneller.